
Wenn Hitze Leistung kostet – gezielt den Stoffwechsel stabilisieren
Hitzestress entwickelt sich zunehmend zu einem der größten limitierenden Faktoren in der modernen Nutztierhaltung. Steigende Temperaturen beeinträchtigen nicht nur Tierwohl und Gesundheit, sondern führen auch zu deutlichen Leistungseinbußen und metabolischen Belastungen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Vor diesem Hintergrund gewinnen funktionelle Ernährungskonzepte mit pflanzlichen Wirkstoffen zunehmend an Bedeutung.
Besonders Capsaicinoide aus Capsicum annuum gelten aufgrund ihrer antioxidativen, entzündungsmodulierenden und stoffwechselunterstützenden Eigenschaften als vielversprechender Ansatz zur Unterstützung von Tieren unter Hitzestress. Sie können dazu beitragen, Futteraufnahme, Stoffwechselstabilität und Tiergesundheit auch unter belastenden Umweltbedingungen zu stabilisieren.
Physiologischer Stress als zentrale Herausforderung
Nutztiere sind heute einer Vielzahl an Stressfaktoren ausgesetzt. Neben pathogenen Einflüssen spielen insbesondere Umweltbedingungen wie Hitzestress sowie steigende Leistungsanforderungen eine zentrale Rolle. Diese Belastungen wirken nicht isoliert, sondern beeinflussen gleichzeitig verschiedene physiologische Systeme. Stoffwechsel, Verdauung, Immunfunktion und antioxidative Schutzmechanismen geraten dabei zunehmend unter Druck. Die Folge sind häufig eine reduzierte Futteraufnahme, eine eingeschränkte Nährstoffverwertung sowie eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Gesundheitsproblemen. Besonders in Phasen hoher Belastung wird deutlich, wie eng Tiergesundheit, Stoffwechselstabilität und Leistung miteinander verknüpft sind. Speziell Hitzestress zählt heute zu den größten Herausforderungen in der Nutztierhaltung.
Entscheidend dabei ist die sogenannte thermoneutrale Zone, also der Temperaturbereich, in dem Tiere ihre Körpertemperatur ohne zusätzlichen Energieaufwand konstant halten können. Wird diese Zone überschritten, steigt die Belastung für Stoffwechsel, Kreislauf und Thermoregulation deutlich an. Die Empfindlichkeit gegenüber Hitze unterscheidet sich jedoch stark zwischen den Tierarten. Während Hochleistungskühe bereits ab etwa 20 bis 22 °C erste Belastungsreaktionen zeigen, tritt Hitzestress bei Schweinen häufig ab 22 bis 25 °C und bei Broilern ab etwa 25 bis 28 °C auf. Auch Fische reagieren empfindlich auf Temperaturveränderungen, da ihr Stoffwechsel direkt von der Wassertemperatur abhängt. Steigende Temperaturen erhöhen den Sauerstoffbedarf, während gleichzeitig der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt.
In allen Tierarten führt die Überschreitung der thermoneutralen Zone zu einer reduzierten Futteraufnahme, während gleichzeitig der Energiebedarf für Thermoregulation steigt. Es kommt zu oxidativem Stress, entzündlichen Prozessen und einer Beeinträchtigung der Darmbarriere. Die Folge sind reduzierte Leistung, eine eingeschränkte Nährstoffverwertung und eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund reicht eine rein klassische Nährstoffversorgung oft nicht aus. Gefragt sind funktionelle Konzepte, die gezielt Stoffwechsel, Verdauung und Immunfunktion unterstützen.
Capsaicinoide: multifunktionelle Wirkstoffe aus Capsicum
Vor diesem Hintergrund rücken funktionelle Pflanzenstoffe zunehmend in den Fokus der Tierernährung. Besonders Rohstoffe aus Capsicum annuum gewinnen an Bedeutung, da sie eine komplexe Funktionalität bioaktiver Pflanzenstoffe liefern. Capsaicinoide können dabei als Marker einer multifunktionellen Wirkstoffmatrix dienen. Sie prägen maßgeblich die sensorische Schärfe von unter anderem Chili und Cayennepfeffer und zeichnen sich durch antioxidative, entzündungshemmende, antimikrobielle sowie stoffwechselmodulierende Eigenschaften aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser phytoaktiven Matrix. Neben Capsaicinoiden umfasst das Spektrum weitere sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und phenolische Verbindungen, die in ihrer Gesamtheit zu den beobachteten Effekten beitragen.
Auf physiologischer Ebene beeinflussen die bioaktiven Inhaltsstoffe des Capsicums, insbesondere Capsaicinoide, unter anderem die Aktivität von Verdauungsenzymen, die Darmintegrität sowie die Immunantwort. Gleichzeitig können sie die Thermoregulation unterstützen und damit helfen, Tiere unter hohen Umgebungstemperaturen metabolisch zu stabilisieren. Auch aus technologischer und botanischer Sicht ist nicht allein der Gehalt einzelner Markerstoffe entscheidend, sondern die Rohstoffqualität mit ihrer gesamten phytoaktiven Matrix. Diese wird maßgeblich durch genetische Varietät, Anbaugebiet und -bedingungen, Klima, Bodenverhältnisse, sowie Erntezeitpunkt und Reifestadium beeinflusst, da sich Zusammensetzung und Verhältnis der Inhaltsstoffe während der Pflanzenentwicklung dynamisch verändern.
Auch die Trocknungsmethode und nachfolgenden schonenden Verarbeitungsprozesse beeinflussen die Stabilität und das Verhältnis der Inhaltsstoffe und damit die funktionelle Qualität des Endprodukts. Die Inhaltsstoffprofile variieren zudem je nach Extraktionsmethode und Lagerbedingungen.
In Summe beeinflussen all diese variablen Faktoren die Konzentration und somit die funktionelle Reproduzierbarkeit erheblich. Um konstante Ergebnisse in der Praxis zu erzielen, bedarf es daher standardisierter und qualitativ abgesicherter Rohstoffquellen. Mit MartinBauer arbeitet BEWITAL agri mit einem spezialisierten Partner zusammen, der über umfassende Expertise in der Charakterisierung, Standardisierung und Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe verfügt. Der Fokus liegt dabei auf einer reproduzierbaren Bereitstellung definierter phytoaktiver Profile der pflanzlichen Zutaten.
Wissenschaftliche Evidenz über verschiedene Tierarten hinweg
Von der Rohware zur funktionellen Lösung
Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse bleibt die praktische Umsetzung eine Herausforderung. Erst die Kombination aus kontrollierter botanischer Qualität und technologischer Stabilisierung ermöglicht eine konsistente und praxisrelevante Wirkung im Tier. Eine zu frühe oder zu späte Ernte kann dazu führen, dass relevante Wirkkomponenten nicht im optimalen Verhältnis vorliegen. Für funktionale Anwendungen ist daher nicht nur der absolute Gehalt einzelner Markerstoffe entscheidend, sondern ein definiertes, reproduzierbares Gesamtprofil der phytoaktiven Matrix. Abbildung 2 verdeutlicht, dass sich die funktionelle Qualität von Capsicum nicht auf einzelne Wirkstoffparameter reduzieren lässt, sondern durch die gezielte Beeinflussung der phytoaktiven Matrix entlang der gesamten Wertschöpfungskette entsteht.
Darüber hinaus können beanspruchende Verarbeitungsschritte die Stabilität empfindlicher Moleküle und damit ihre funktionelle Qualität beeinträchtigen. Zudem sind Capsaicinoide empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen wie Hitze, Sauerstoff und Licht. Gleichzeitig kann ihre Schärfe die Futteraufnahme negativ beeinflussen. Genau hier setzt BEWI®-FATRIX Fortify an. Durch die NutriShield® Technologie werden die aktiven Komponenten wirksam in eine Fettmatrix eingebettet und gezielt im Verdauungstrakt freigesetzt. Dies ermöglicht eine stabile Wirkung bei gleichzeitig hoher Akzeptanz im Futter. Zudem sorgt diese Aufbereitung dafür, dass es im Werk zu keinen Reizungen für Mitarbeiter kommt. Staubentwicklung und scharfe Reizstoffe, wie sie bei unbehandelten Capsaicinoiden auftreten können, werden effektiv minimiert. Das verbessert die Arbeitssicherheit und erleichtert die Handhabung im täglichen Betrieb. So entsteht aus pflanzlicher Vielfalt eine funktionelle, verlässliche Lösung.
Das Produkt kombiniert Capsicum annuum mit weiteren funktionellen Botanicals und pflanzlichen Fetten. Ziel ist eine synergistische Wirkung entlang zentraler physiologischer Prozesse. Dazu zählen die Förderung der Verdauung, die Stabilisierung der Darmgesundheit, die Unterstützung des Immunsystems sowie die Verbesserung der Nährstoffverwertung.
Praxisnachweis in der Milchviehhaltung
Neben experimentellen Studien liefern auch Praxisversuche wertvolle Erkenntnisse. In einem fünf Wochen dauernden Versuch auf einem Milchviehbetrieb in der Türkei führte die Supplementierung von 1,5 g BEWI®-FATRIX Fortify pro Tier und Tag zu einer durchschnittlichen Steigerung der Milchleistung um 4,33 Liter pro Kuh und Tag. Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt über verschiedene Laktationsstadien hinweg beobachtet wurde. Gleichzeitig zeigte sich keine negative Beeinflussung der Energiebilanz, was durch stabile BHB- und NEFA-Werte bestätigt wurde. Veränderungen im Glukosestoffwechsel deuten darauf hin, dass Nährstoffe effizienter in die Milchbildung gelenkt werden. Dies unterstreicht die Rolle des Capsicum-Wirkstoffprofils als Modulator der Nährstoffpartitionierung.
Praxisnachweis in der Schweinehaltung
Auch bei Schweinen konnten unter den herausfordernden Bedingungen sommerlicher Hitze überzeugende Praxisergebnisse erzielt werden. Auf einem Sauenbetrieb in Griechenland mit rund 650 Sauen wurden die Leistungsdaten aus den Monaten Juni der Jahre 2025 und 2026 miteinander verglichen. Trotz vergleichbarer Außentemperaturen von etwa 36 °C verringerte sich die Futteraufnahme der mit BEWI®-FATRIX Fortify versorgten Sauen bei einer Einsatzmenge von 400 g/t im Jahr 2026 lediglich um 8 %, während der Rückgang im Vorjahr 21 % betrug. Gleichzeitig stieg die Anzahl der abgesetzten Ferkel von durchschnittlich 12,26 auf 13,36 je Sau. Positive Praxiserfahrungen wurden zudem in der Ferkelaufzucht und Schweinemast mit Einsatzmengen von 200 bis 250 g/t gesammelt. Besonders während Hitzeperioden blieb die Futteraufnahme stabil oder stieg teilweise sogar leicht an, insbesondere bei Mastschweinen.
Ganzheitlicher Ansatz für moderne Fütterungskonzepte
Die Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis zeigen deutlich, dass funktionelle Botanicals einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung von Tiergesundheit und Leistung leisten können. Entscheidend ist jedoch die richtige Kombination der Inhaltsstoffe sowie deren technologische Umsetzung. Gerade unter zunehmenden klimatischen Belastungen wird deutlich, dass moderne Tierernährung mehr leisten muss als eine reine Nährstoffversorgung. Funktionelle Botanicals wie Capsicum annuum entfalten ihre Wirkung über das Zusammenspiel einer komplexen phytoaktiven Matrix und können dabei helfen, Tiere metabolisch zu stabilisieren und Leistung auch unter Stressbedingungen abzusichern. Entscheidend bleibt jedoch, dass aus pflanzlichem Potenzial durch die gezielte Nutzung natürlicher Wirkstoffprofile eine technologisch zuverlässige und reproduzierbare Lösung für die Praxis wird. Genau hier setzt BEWI®-FATRIX Fortify an und verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer praxisorientierten Anwendung in modernen Fütterungskonzepten.