Vom „Milchverdauer“ zum Wiederkäuer
Kälber durchlaufen in den ersten Lebenswochen einen grundlegenden physiologischen Wandel. Von der monogastrischen Verdauung hin zum funktionierenden Wiederkäuer. Damit verändert sich auch die Quelle der Aminosäuren für Wachstum und Stoffwechsel.
Was sich mit steigender Kraftfutteraufnahme im Kalb verändert
Neugeborene Kälber beziehen ihre Aminosäuren fast ausschließlich aus Vollmilch oder Kälbermilch, da der Pansen zunächst noch kaum aktiv ist.
Mit steigender Aufnahme von Kraftfutter beginnt die mikrobielle Fermentation im Pansen. Dabei entstehen nicht nur flüchtige Fettsäuren zur Entwicklung des Pansens, sondern auch mikrobielles Protein, das später einen wichtigen Beitrag zur Aminosäurenversorgung leistet.
Im Verlauf der Kälberaufzucht wird ab der 5. bis 6. Lebenswoche in der Regel die Tränkemenge reduziert, während gleichzeitig die Aufnahme von Festfutter steigt. Analysen zeigen, dass der Anteil mikrobiellen Proteins am gesamten Proteinfluss zum Darm mit steigender Aufnahme von Kälberstarter/Kälberkraftfutter stark ansteigt.
Frisst ein Kalb etwa 1,3 kg Starter pro Tag, stammen rund 60 % des Proteins im Dünndarm aus mikrobieller Herkunft. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet der Stoffwechsel bereits weitgehend wie bei einem ausgewachsenen Wiederkäuer.

Abbildung 1: Veränderung des mikrobiellen Stickstoffflusses in den Darm, dargestellt als Anteil (%) am Gesamtstickstoff. Quelle: NASEM (2021), Nährstoffbedarf von Milchrindern.
Bedeutung für die Protein- und Aminosäurenversorgung
Während der Aufzucht verändert sich die Herkunft des im Darm verfügbaren Proteins deutlich.
In den ersten Lebenswochen liefern Vollmilch oder Kälbermilch nahezu alle Aminosäuren. Mit steigender Starteraufnahme nimmt der Anteil an mikrobiellem Protein und pansenstabilem Futterprotein jedoch deutlich zu. Gleichzeitig gewinnt die Aminosäurenversorgung aus der Verdauung des Festfutters an Bedeutung.
Die Aminosäurezusammensetzung des Mikrobenproteins gilt dabei als weitgehend optimal für das Wachstum des Kalbes. Beim unabgebauten Futterprotein sollte hingegen gezielt auf eine hochwertige Zusammensetzung geachtet werden.
Proteinversorgung in der gesamten Kälberaufzucht sichern
Um das genetische Wachstumspotential der Kälber vollständig auszuschöpfen, ist eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung über die gesamte Aufzucht hinweg entscheidend. Besonders wichtig ist die Phase des Abtränkens und der Übergang auf festes Futter. In dieser Zeit muss die Protein- und Aminosäureversorgung gezielt abgesichert werden.
Neben der passenden Kälbermilch sollte daher auch die Proteinversorgung über das Kälberkraftfutter beachtet werden. Entscheidend sind dabei nicht nur Schmackhaftigkeit und eine ausreichende Energieversorgung für das Wachstum der Pansenmikroben, sondern auch der Proteingehalt und die Zusammensetzung des unabgebauten Futterproteins.
In der Praxis haben sich ein Proteingehalt von etwa 20 % in der Kälber-TMR sowie der gezielte Einsatz pansengeschützter Proteinträger, zum Beispiel geschütztes Rapsschrot, bewährt.
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