Höhere Zunahmen durch schwergängige Nuckel

Die Tränkephase ist entscheidend für die Entwicklung von Kälbern. Gerade Tiere mit hohem genetischem Potenzial benötigen in den ersten Lebenswochen ausreichend Energie und Protein, um ihr Wachstumspotenzial ausschöpfen zu können. Gleichzeitig stellen Tränkesysteme hohe Anforderungen an Management, Tierwohl und die Beurteilung der Tiergesundheit.

Ergebnisse aus einer Praxisstudie mit schwergängigen Nuckeln
Eine aktuelle Praxisstudie der Fachhochschule Südwestfalen in Zusammenarbeit mit BEWITAL agri zeigt, wie eine kontrolliert-satt-Tränkestrategie in Kombination mit schwergängigen Nuckeln Wachstum und Verhalten von Kälbern positiv beeinflussen kann.

Die Ergebnisse wurden im Oktober 2025 auf der 63. BAT-Tagung in Poing/Grub veröffentlicht und als wissenschaftliches Poster präsentiert.

Ausgangssituation in der Kälberaufzucht

In der Praxis kommen unterschiedliche Tränkesysteme zum Einsatz. Restriktive Tränkesysteme sind gut kontrollierbar, decken den Bedarf leistungsstarker Kälber jedoch häufig nicht vollständig ab. Ad-libitum-Systeme ermöglichen eine hohe Milchaufnahme, bringen jedoch Herausforderungen bei Hygiene, starken Schwankungen in der Milchaufnahme und der Einschätzung des Gesundheitszustandes mit sich.

Zwischen diesen beiden Strategien rückt die kontrolliert-satt-Fütterung zunehmend in den Fokus. Ziel ist es, den Kälbern eine bedarfsgerechte Milchmenge anzubieten, orientiert an ihrer freiwilligen Aufnahme, jedoch ohne einen dauerhaften freien Zugang zur Tränke.

Ziel der Untersuchung

Ziel der Studie mit dem Titel „Einfluss ausgewählter Tränkesysteme auf das Verhalten und Wachstum von Kälbern bis zur 12. Lebenswoche“ war es, den Einfluss unterschiedlicher Tränkesysteme auf Wachstum und Verhalten von Kälbern unter Praxisbedingungen zu untersuchen.

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob eine kontrolliert-satt-Fütterung in Kombination mit schwergängigen Nuckeln messbare Vorteile gegenüber einer rationierten Kälbermilchzuteilung bietet.

Versuchsaufbau in der Praxis

Die Untersuchung wurde auf einem Milchviehbetrieb in Nordrhein-Westfalen durchgeführt.

  • Versuchsdauer 84 Tage
  • Deutsche Holstein Kälber
  • Vergleich zweier Gruppen
  • Kontrollgruppe mit rationierter Tränke über Nuckeleimer mit Standardnuckel
  • Versuchsgruppe mit kontrolliert-satt-Fütterung über ein Milchbar-System unter Einsatz schwergängiger Nuckel mit erhöhtem Saugwiderstand

In beiden Versuchsgruppen kam die Kälbermilch BEWI-MILK® AM 9 zum Einsatz.

Ab dem 14. Lebenstag wurden die Kälber in Gruppen gehalten. In der Versuchsgruppe wurde die Milchbar nach 30 Minuten Zeit entfernt. Die Kontrollgruppe wurde weiter rationiert über den Nuckeleimer getränkt.

Ab dem 57. Lebenstag wurden die Kälber schrittweise abgetränkt. Ergänzend standen Kälbertrocken-TMR, Heu und Wasser jederzeit zur Verfügung. Erfasst wurden Gewichtsentwicklung, Kälbermilch- und TMR-Aufnahme, Verhaltensparameter sowie die Kälbergesundheit.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Höhere Zunahmen
Die Kälber der kontrolliert-satt gefütterten Versuchsgruppe nahmen mehr Kälbermilch auf und setzten diese effizient in Wachstum um. Am 84. Lebenstag waren sie nahezu 10 Kilogramm schwerer als die Kälber der Kontrollgruppe.

Ruhigeres Verhalten
Die Kälber der Versuchsgruppe zeigten ein deutlich ruhigeres Aktivitätsverhalten. Vokalisationen und stressbedingte Verhaltensweisen wie gegenseitiges Besaugen traten seltener auf.

Natürliches Saugverhalten
Durch den Einsatz schwergängiger Nuckel verlängerte sich die Tränkezeit deutlich. Die Trinkgeschwindigkeit lag bei etwa 4,2 Minuten je Liter Kälbermilch im Vergleich zu 1,8 Minuten je Liter bei konventionellen Nuckeln. Die längere Saugdauer führte zu einer stärkeren Speichelbildung und einer besseren Befriedigung des Saugbedürfnisses.

Warum schwergängige Nuckel eine Rolle spielen

Schwergängige Nuckel verlangsamen den Milchfluss und verlängern die Tränkedauer. Das Kalb saugt länger und intensiver, was dem natürlichen Saugverhalten näherkommt. Dadurch stellt sich eine physiologischere Sättigung ein.

In Kombination mit der kontrolliert-satt-Fütterung wird das Saugbedürfnis besser befriedigt. Stresssymptome nehmen ab und die Kälber zeigen insgesamt mehr Ruhe im Stall.

Fazit für die Praxis

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kälber in der Lage sind, höhere Mengen an Kälbermilch sinnvoll in Zuwachs umzusetzen, wenn Tränkekonzept und Technik aufeinander abgestimmt sind.

Die kontrolliert-satt-Fütterung in Kombination mit einem Milchbar-System und schwergängigen Nuckeln bietet dabei klare Vorteile:

  • Höhere tägliche Zunahmen
  • Ruhigeres Verhalten der Kälber
  • Reduzierung stressbedingter Symptome
  • Gute Steuerbarkeit der Kälbermilchaufnahme

Gerade für Betriebe mit leistungsstarken Kälbern stellt dieses Tränkekonzept eine praxisnahe und tiergerechte Alternative dar.