Aminosäurenversorgung bei jungen Kälbern

Für ein optimales Wachstum in der Kälberaufzucht kommt es nicht nur auf die Tränkemenge an. Entscheidend ist auch die Qualität der Nährstoffe. Nur so werden Zunahmen nicht nur in Fett, sondern in Muskulatur und Organentwicklung umgesetzt.

Eine tägliche Versorgung von mindestens 300 bis 320 g Rohprotein ist dafür notwendig. Noch wichtiger ist jedoch die Qualität des Proteins, also die Zusammensetzung der enthaltenen Aminosäuren.

Neugeborene Kälber funktionieren zunächst wie Monogastrier und beziehen ihre Aminosäuren hauptsächlich aus Vollmilch oder Kälbermilch. Natürliches Milchprotein gilt dabei als optimaler Nährstofflieferant für Kälber, da sein Aminosäureprofil den Bedarf für Wachstum und Erhaltung sehr gut abdeckt.

Proteinquellen in der Kälbermilch

Für die Herstellung von Kälbermilch werden verschiedene Proteinquellen eingesetzt, die sich teils deutlich im Aminosäuremuster unterscheiden.

Milch- und Molkenproteine enthalten etwa 8 bis 9 % Lysin im Rohprotein, während Weizenprotein weniger als 2 % aufweist. Diese Unterschiede haben direkten Einfluss auf die Versorgung des Kalbes.

Deshalb werden pflanzliche Proteinquellen in Kälbermilch häufig gezielt mit Lysin und Methionin ergänzt, um ein bedarfsgerechtes und ausgewogenes Aminosäurenprofil sicherzustellen.

Rohstoffqualität beeinflusst die Proteinverwertung

Neben der Zusammensetzung spielt auch die technologische Verarbeitung der Rohstoffe eine entscheidende Rolle.

Zu hohe Temperaturen oder Schäden bei der Trocknung können die Verdaulichkeit von Proteinen und Aminosäuren deutlich verringern. Dadurch steht dem jungen Kalb weniger nutzbares Protein für Wachstum und Entwicklung zur Verfügung.

Gerade beim jungen Kalb ist die Verdaulichkeit besonders wichtig. Milch- und Molkenproteine sind hier deutlich besser verfügbar als pflanzliche Eiweißquellen wie zum Beispiel Sojaproteinkonzentrate.

Aminosäurenprofil der Kälbermilch

Neben dem Proteingehalt ist auch die Zusammensetzung der Aminosäuren entscheidend für eine bedarfsgerechte Versorgung des Kalbes.

Als Orientierung dienen aktuelle Empfehlungen (NASEM, 2021) sowie das Milchprotein als natürlicher Maßstab. Daraus ergeben sich optimale Zielwerte für einzelne Aminosäuren in Abhängigkeit vom Proteingehalt der Kälbermilch (s. Abbildung 1).

So sollte eine Kälbermilch mit 25 % Protein etwa 2,05 % Lysin enthalten. Bei einem Proteingehalt von 22 % sind rund 1,80 % Lysin anzustreben.

Abbildung 1: Aminosäure Zielwerte Kälbermilch (%) in Abhängigkeit vom Proteingehalt

Praktische Konsequenzen für die Kälberfütterung

Für eine optimale Entwicklung der Kälber sollten bei der Fütterungsstrategie mehrere Punkte berücksichtigt werden:

  • hochwertige, gut verdauliche Proteinquellen (Milch-/Molkenprodukte)
  • ausgewogenes Aminosäurenprofil, insbesondere bei Lysin und Methionin
  • konstante Rohstoffqualität
  • frühzeitige Aufnahme von Starterfutter zur Förderung der Pansenentwicklung