Rohstoffeinsatz entscheidend fürs Klima

Spezialfuttermittelhersteller BEWITAL agri startet Umwelt-Projekt zur Ermittlung des ökologischen Fußabdrucks

Nachhaltigkeit und der ökologische Fußabdruck rücken in den Fokus von Unternehmen. Wie sich die Futtermittelproduktion darauf auswirkt, will BEWITAL ermitteln. Logistik und Produktion sind nicht die Treiber, wie erste Ergebnisse zeigen.

Ökobilanz-Kriterien rücken zunehmend in den Fokus der nationalen und internationalen Agrarpolitik. So schreibt das Klimaprogramm der Bundesregierung dem Agrarsektor konkrete CO2 -Reduzierungen vor, die halbjährlich auf Umsetzung geprüft werden sollen. Das betrifft auch Unternehmen im Futtermittelsegment. Denn der Anteil der Nutztierhaltung an den gesamten Treibhausgas-Emissionen wird weltweit auf 18 Prozent und auf 10 Prozent in der EU-27 geschätzt. Vor allem die Methanausscheidungen der Wiederkäuer wirken sich auf das Klima aus.

Die Fütterung und die eingesetzten Futtermittel haben dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Effizienz und Umweltwirksamkeit bei der Erzeugung tierischer Lebensmittel. Der Spezialfutterhersteller BEWITAL agri aus dem münsterländischen Südlohn-Oeding hat sich entschlossen, mehr Augenmerk auf den Umweltfußabdruck seiner Produkte zu legen und den Beitrag der eigenen Futtermittel genauer zu bestimmen. Mit der Kölner Unternehmensberatung Elfin Consulting wurden erste Fußabdruckberechnungen für ausgewählte Fertigprodukte vorgenommen.

Kaum Effekte durch Lkw-Frachten

So zeigt sich am Beispiel eines Milchaustauschfutters für Kälber, dass in erster Linie die eingesetzten Rohstoffe für die Klimarelevanz des Endproduktes maßgeblich sind. CO2 -Effekte durch den Herstellungsprozess im Futtermittelwerk und durch Lkw-Frachten sind geringer als erwartet. Es wurde auch deutlich, dass ein Rohstoffaustausch zwar durchaus reduzierte CO2 -Werte mit sich bringen kann, sich aber gleichzeitig andere Wirkungskategorien wie Bodenversauerung oder Feinstaubemissionen verschlechtern. Die Nachhaltigkeitsbemühungen einseitig auf eine Verbesserung der Klimabilanz abzustellen, führt also nicht immer und direkt zu einem durchweg nachhaltigeren Ergebnis.

Die methodische und inhaltliche Grundlage für BEWITAL und dem Beratungsdienstleister Elfin Consulting ist das PEF (Product Environmental Footprint)-Projekt der EU-Kommission zur Berechnung von ökologischen Fußabdrücken. Die Ermittlung des Umwelt-Fußabdrucks ist dabei mit einer wissenschaftlich ausgerichteten Datenbasis unterlegt. Damit können standardisierte Berechnungen von Umweltauswirkungen vorgenommen werden, wobei der Wert jeweils auf das hergestellte Endprodukt bezogen wird. Der Futtermittelsektor ist einer der Pilotbereiche des PEF-Projekts. Die global agierende Organisation GFLI (Global Feed LCA Institute) hat die Systematik des PEF aufgegriffen und erweitert die Datenbasis bei Futtermittelrohstoffen stetig. Auf dieser Grundlage können die Nachhaltigkeitsauswirkungen für – zugekaufte und selbst erzeugte – Mischfuttermittel nachvollziehbar und immer präziser errechnet werden. In einer zweiten Projektphase werden BEWITAL agri und Elfin Consulting weitergehende Simulationen vornehmen.

Wettbewerbsvorteil sichern

Damit möchte BEWITAL agri Hinweise auf eine optimale Futterzusammensetzung erhalten, die nicht nur an der Gesundheit und Leistung der Tiere sowie an den Rezepturkosten orientiert ist, sondern auch Umweltwirkungen berücksichtigt, insbesondere die Reduzierung von Treibhausgasen in der Produktionskette. Diese Erkenntnisse sollen künftig stärker in der Unternehmens- und Produktstrategie von BEWITAL agri verankert werden. Michael Hovenjürgen, Leiter F&E bei BEWITAL agri: „Wir haben bei der Konzeption unserer Produkte schon immer viel Wert auf eine umweltschonende und nachhaltige Tierhaltung gelegt. Die Betrachtung des Umweltfußabdrucks unserer Produkte ist daher die logische Fortsetzung unserer Bemühungen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelkette.“

Marius Fahrenholz, der als Geschäftsführer von Elfin Consulting das Projekt gemeinsam mit Berater Dietrich Schwier begleitet, betont die strategische Bedeutung des Ansatzes: „Wir haben bereits in anderen Bereichen der Lebensmittelkette gesehen, dass Nachhaltigkeitsanforderungen von nachgelagerten Abnehmern über die Tierhaltung bis hin zur Futtermittelmittelherstellung an Bedeutung gewinnen. Sich hierfür zu wappnen, ist wichtig.“ Klarheit über die Fußabdrücke der eigenen Produkte zu haben, helfe auch, das Handlungsprinzip Nachhaltigkeit für den eigenenWettbewerbsvorteil zunutzen.

Elfin Consulting

Elfin Consulting ist ein Beratungsdienstleister aus Köln mit mehr als 25 Mitarbeitern und Schwerpunkt auf Senkung des ökologischen Fußabdrucks sowie Nachhaltigkeitskommunikation in den Vorstufen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Marius Fahrenholz leitet als Geschäftsführer den Beratungsbereich. Dietrich Schwier ist Senior Expert und betreut Beratungsprojekte im Agrarbereich.

Veröffentlicht in der agrarzeitung | Ausgabe 33 vom 14. August