Ad libitum, restriktiv oder kontrolliert satt
Aktuelle Empfehlungen aus den USA (NASEM, 2021) und Deutschland (LfL, 2021) zeigen klar: Kälber mit hohem genetischem Potenzial brauchen mehr Energie und Protein, um ihr Wachstumspotenzial auszuschöpfen. In der Praxis werden dafür unterschiedliche Tränkesysteme eingesetzt.
Ad libitum
Bei der ad-libitum-Tränke steht dem Kalb ständig Milch zur Verfügung. Studien zeigen, dass Kälber dadurch deutlich höhere Milchmengen aufnehmen als bei einer restriktiven Tränke. Das klingt zunächst positiv, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.
Ein dauerhaft gefüllter Tränkeeimer erhöht den Keimdruck deutlich. Zudem zeigen aktuelle Studien, dass sehr hohe Milchaufnahmen von bis zu 14 Litern pro Tag häufig zu starken Schwankungen in der Aufnahme führen (Trautner und Hovenjürgen, 2026). An Folgetagen sinkt die Aufnahme teils auf 4 bis 6 Liter ab, ohne dass die Kälber krank wirken. Eine Beurteilung der Tiergesundheit allein auf Basis der Milchaufnahme wird dadurch schwierig.
Entscheidend: In der dritten bis sechsten Lebenswoche zeigten die ad-libitum gefütterten Kälber keine höheren Tageszunahmen als Kälber mit einer begrenzten Milchmenge von etwa 10 Litern pro Tag.
Restriktiv
Bei der restriktiven Tränke sind Milchmenge und Tränkezeiten klar begrenzt. Das System ist einfach zu kontrollieren, deckt aber bei leistungsstarken Kälbern häufig nicht den tatsächlichen Bedarf an Energie und Protein ab.
Kontrolliert satt: Der Mittelweg mit klaren Vorteilen
Immer mehr Betriebe setzen auf die kontrolliert-satt-Fütterung. Sie kombiniert die Vorteile beider Systeme. Die Kälber erhalten eine physiologisch bedarfsgerechte Milchmenge, orientiert an ihrer freiwilligen Aufnahme, jedoch ohne ganztägig freien Zugang zur Tränke zu gewähren.
Eine aktuelle Studie in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Südwestfalen (Fachbereich Agrarwirtschaft in Soest) hat genau dieses Konzept untersucht. Verglichen wurde eine kontrolliert-satt-Fütterung mit bis zu 11 Litern Milch pro Tag mit einer restriktiven Tränke von maximal 8 Litern.
Das Ergebnis ist eindeutig praxisrelevant:
- Höhere Energie- und Proteinaufnahme
- Deutlich höhere tägliche Zunahmen
- Rund 10 kg Mehrgewicht am 84. Lebenstag
- Ruhigere Kälber mit besserem Wohlbefinden
In der praktischen Umsetzung der kontrolliert-satt-Fütterung wurde ein Milchbar-System mit schwergängigen Saugern eingesetzt. Im direkten Vergleich führte der schwergängigere Nuckel in der Haupttränkephase mit 4,2 Minuten je Liter zu einer deutlich geringeren Trinkgeschwindigkeit gegenüber dem konventionellen Nuckel (1,8 Minuten je Liter).
Fazit für die Praxis:
Das Tränkesystem Milchbar in Kombination mit der kontrolliert-satt-Fütterung zeigte Vorteile sowohl in der Entwicklung der Kälber als auch im Tierwohl. Die Kälber waren insgesamt ruhiger und zeigten eine stärkere Speichelbildung.
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