Was wollten wir wissen?
Eine intensive Milchtränke in den ersten Lebenswochen fördert durch die höhere Nährstoffaufnahme die Gewichtsentwicklung der Kälber (DLG, 2011; Frieten et al., 2017). Daher hat sich vielfach die ad-libitum-Tränke mit freiem Zugang zur Milch etabliert.
Die tägliche Milchaufnahme kann dabei wichtige Hinweise auf den Gesundheitszustand geben. Erfasst wird sie über Tränkeautomaten oder anhand von Trinkverhalten und Restmengen im Nuckeleimer.
In der folgenden Untersuchung wurde geprüft, wie stark die individuelle Milchaufnahme von Tag zu Tag schwankt und welche Unterschiede sich dabei zwischen einer ad-libitum-Tränke und einem semi-restriktiven Tränkeschema zeigen.
So wurde getestet:
- Milchviehbetrieb in Oberösterreich
- Aufgeteilt in eine Kontroll- und Versuchsgruppe (je n = 5; 3 ♂, 2 ♀)
- Kontrollgruppe „semi-restriktiv“ mit zwei Mahlzeiten täglich getränkt
- Versuchsgruppe „ad-libitum“ mit 3x täglich bis zu 7 L Milch und kontinuierlicher Milchverfügbarkeit
- 1.–7. Tag Biest- bzw. Transitmilch zur freien Aufnahme
- 7.–42. Tag Kälbermilch (BEWI®-MILK AM 9) mit 140 g/L Tränke; anschließend Beginn der Abtränkphase
- Datenerfassung: wöchentliche Erfassung der Lebendmasse sowie tägliche Erfassung der Milchmengen
- Wasser, Heu und Kälber-TMR standen während des Versuchs zur freien Aufnahme zur Verfügung
Ergebnisse auf einen Blick
1.
Woche
Hohe Milchaufnahme
Alle Kälber nahmen bereits rund 9 L Milch pro Tag auf.
2.
Woche
Weniger Zunahmen bei begrenzter Tränke
Die Reduzierung auf 6 L Milch pro Tag führte bei den semi-restriktiv getränkten Kälbern zu geringeren Lebendmassezunahmen.
2.-6.
Woche
Mehr Milch bei ad libitum
Die ad-libitum-Gruppe nahm insgesamt rund 10 % mehr Milch auf als die semi-restriktive Gruppe.
ab der 3.
Woche
Vergleichbare Zunahmen
Trotz höherer Milch- und Nährstoffaufnahme bei ad libitum waren die täglichen Zunahmen beider Gruppen vergleichbar.
Schwankung der täglichen Milchaufnahme der Kälber der „ad-libitum“-Gruppe
Lebendmassezunahme der Kälber
Was heißt das für deinen Betrieb?
Kälber können hohe Milchmengen aufnehmen und für ihr Wachstum nutzen. Bei der ad libitum-Fütterung schwankt die tägliche Aufnahme jedoch deutlich. Weniger getrunkene Milch ist deshalb nicht automatisch ein zuverlässiges Warnsignal für eine Erkrankung.
Für die Praxis zeigt der Versuch: Auch eine semi-restriktive Tränke kann hohe Tageszunahmen und eine bedarfsgerechte Versorgung ermöglichen. Entscheidend ist, die Milchmenge nicht zu stark zu begrenzen. Mit der „Kontrolliert-satt“-Fütterung werden die Kälber annähernd satt versorgt und können ihr Wachstumspotenzial in den ersten Lebenswochen ausschöpfen.
Praxis-Tipp: Bei der ad libitum Fütterung Tränkeeimer täglich reinigen und Restmilch aus hygienischen Gründen entsorgen.