Mit Fütterung Hitzestress vorbeugen

Geringe Geburtsgewichte, zu wenig Sauenmilch für alle Ferkel, hoher Gewichtsverlust der Sauen zum Ende der Säugezeit, hohe Umrauscherquoten – diese Probleme haben oftmals eine Ursache: ein Energiedefizit in der Rationsgestaltung der Sauen, speziell bei sehr hohen Außentemperaturen.

Während das Leistungsniveau unserer Sauen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist, konnte das Futteraufnahmevermögen der Tiere nicht im gleichen Umfang schritthalten. Besonders die  bedarfsgerechte Versorgung mit Energie erweist sich oft als Problem. Steigen zudem die Außentemperaturen deutlich an, sinkt die Futteraufnahme nochmals und die energetische Lücke wird größer.

Futteraufnahme sinkt spürbar

Für die nahe Zukunft werden nicht nur weit höhere Durchschnittstemperaturen, sondern auch vermehrt längere Hitzewellen prognostiziert. Mit höheren Außentemperaturen steigen in der Regel auch die Temperaturen in den Ställen deutlich an.

Vor allem für Sauen hat Hitzestress weitreichende Folgen. Die thermoneutrale Zone einer Sau, sprich der Behaglichkeitsbereich, wird bereits ab einer Stalltemperatur von 22 °C überschritten. Ab 21 °C sinkt die Futteraufnahme der Sau je Grad Temperaturerhöhung um 0,1 kg pro Tag. Das entspricht einer Energiemenge von etwa 0,13 MJ ME. Bei Temperaturen um 30 °C reduziert sich so die aufgenommene Futtermenge um rund 1 kg pro Tag. Damit nehmen die Sauen etwa 13 MJ ME weniger Energie pro Tag auf.

Das passiert bei hohen Temperaturen

Das Energiedefizit resultiert in gesteigertem Lebendmasseverlust, in einer verringerten Milchproduktion und damit in einem verringerten Wurfzuwachs der Ferkel. Weitere Folgen können das gehäufte Auftreten von MMA-Erkrankungen und Probleme bei der anschließenden Rausche sein. Stark abgesäugte Sauen (über 20 kg Gewichtsverlust in der Säugendphase) haben eine verlängerte Güstzeit, schwächer ausgeprägte Brunstsymptome, weniger befruchtungsfähige Eizellen und damit eine geringere Anzahl an Embryonen. Folgen sind eine geringere Ferkelzahl pro Wurf und eine längere Zwischenwurfzeit.

Effekt der Umgebungstemperatur auf die Futteraufnahme der säugenden Sauen und das Absetzgewicht der Ferkel (Quelle: Quiniou und Noblet, 1999)

Infolge der hohen Stoffwechselbelastung der Tiere bei Hitze können zudem vermehrt freie Radikale und oxidativer Stress auftreten. Dadurch wird die Darmschleimhaut „lückiger“ (leaky gut) und die sehr wichtige
Barrierefunktion der Schleimhaut des Dünndarms wird gestört. Dies ebnet Endotoxinen und Krankheitserregern den Weg und beeinflusst die Tiergesundheit insgesamt negativ.

Mehr Fett ins Futter

Hier können Öle und Fette aufgrund ihrer sehr hohen Energiedichte eine wichtige Rolle in der Rationsgestaltung spielen. Zudem wird beim Abbau in Fettsäuren bei der Verdauung weniger Wärme frei. Weitere Vorteile ergeben sich durch die Zufuhr fettlöslicher Vitamine und essenzieller Fettsäuren. Fette erfüllen außerdem wichtige biologische Funktionen, greifen aktiv in den Stoffwechsel ein und übernehmen wichtige Schutzfunktionen.

Da Öle technisch bedingt nur begrenzt im Futter einsetzbar sind, stellen pulverförmige Fette eine gute Alternative dar. Mit solchen Pulvern lassen sich höhere Fettgehalte im Futter erzielen, als dies vergleichsweise mit herkömmlichen Ölen möglich wäre. Gerade bei der säugenden Sau kommt es auf eine hohe Nährstoffkonzentration im Futter an. Ihr Energiebedarf steht in direktem Zusammenhang mit ihrer Milchleistung. Bei einer Wurfgröße von zwölf Ferkeln produziert die Sau etwa 340 kg Milch während einer vierwöchigen Säugezeit. Bei unterstellten 12 l Milch pro Tag errechnet sich eine benötigte Energiemenge über das Futter von rund 85 MJ ME. Hinzu kommt der Erhaltungsbedarf der Sau. Dementsprechend sollte das Laktationsfutter eine Energiedichte von über 13 MJ ME/kg aufweisen, damit die Tiere ihr vorhandenes Leistungspotenzial ausschöpfen können.

Bei Rationen mit einem reduzierten Energiegehalt, beispielsweise mit weniger als 12,8 MJ ME/kg, ist eine ausreichende Energieversorgung durch die begrenzte Futteraufnahme nur schwer umsetzbar.

Mit Lecithin besser verdaulich

Um die Verdaulichkeit von mit Fett angereicherten Rationen zu verbessern, kann zusätzlich ein Emulgator, zum Beispiel Lecithin, eingesetzt werden. Lecithin erlaubt die Mischung von zwei normalerweise nicht miteinander mischbaren Substanzen wie Öl und Wasser.

Lecithin zählt zur Gruppe der Phospholipide und enthält Cholin, das im Fettstoffwechsel eine wichtige Rolle spielt. Es beeinflusst den Stoffwechsel generell positiv und fördert den Zellaufbau. Zudem kurbelt es die Bildung von immunologischen Abwehrzellen an und unterstützt die Leber und den Blutkreislauf. Im Milchdrüsengewebe sind Lecithine für den Übergang der Fette und Proteine in die Muttermilch verantwortlich. Lecithine unterstützen die Enzymtätigkeit und wirken leistungs- und vitalitätssteigernd. Zudem wird die Fruchtbarkeit positiv beeinflusst.

In der Praxis bieten verschiedene Hersteller speziell konzipierte Fettpulver für die Rationsgestaltung an, die bereits mit Lecithin versehen sind. Um den Stoffwechsel der Sauen zu unterstützen, können den Tieren zusätzlich B-Vitamine, Endotoxinbinder oder Elektrolyte verabreicht werden.

So viel Futter brauchen säugende Sauen

Benötigte Futtermenge zur Deckung des angenommenen Energiebedarfs säugender Sauen von 101 MJ ME bei unterschiedlichen Energiedichten (Quelle: Ralph Schemmer)

Gut für Sau und Ferkel

Eine Sau mit 14 bis 15 Ferkeln im dritten Wurf hat einen täglichen Energiebedarf (Erhaltungs- plus Leistungsbedarf) von etwa 101 MJ ME. Bei einem Laktationsfutter mit 12,8 MJ ME müsste die Sau etwa 7,9 kg Futter pro Tag aufnehmen. Passt man die Ration im Energiegehalt durch Zulage von 3 Prozent Fett an und erreicht damit einen Energiegehalt von rund 13,5 MJ ME/kg, müsste die Sau nur noch rund 7,5 kg Futter pro Tag fressen, um den Bedarf zu decken.

Auf diese Weise ist es Selbstmischern möglich, durch die Zulage von 3 Prozent Fettpulver kurzfristig die Rationen im Energiegehalt anzupassen und der reduzierten Futteraufnahme im Sommer entgegenzuwirken.

Durch gesteigerte Fettgehalte im Alleinfutter kann die laktierende Sau mehr hochverdauliche Energie mit dem Futter aufnehmen und muss damit weniger Körperfett einschmelzen. Das entlastet auch die Leber, die entscheidend an der Fettmobilisation beteiligt ist. Letztlich werden dadurch die Fruchtbarkeit der Sauen und ihre Nutzungsdauer positiv beeinflusst.

Mit höheren Energiegehalten in der Ration steigt auch die Milchleistung an. Infolgedessen nehmen die Ferkel mehr Milch und damit mehr Energie auf. Ihr Wachstum wird deutlich verbessert. Damit einher  gehen geringere Ferkelverluste, ein stabiler Gesundheitsstatus und erhöhte Absetzgewichte.

Fütterungsstrategie anpassen

Zusätzlich sollte der Eiweißgehalt angepasst werden. Proteinreiche Rationen führen unmittelbar nach der Futteraufnahme zu einer erhöhten Wärmeabgabe, denn die Aufspaltung von Protein in seine Aminosäuren verursacht Wärme. Somit kann eine bedarfsgerechte Eiweißreduktion im Futter der Sauen nicht nur die Umwelt schonen (weniger Ammoniakemissionen), sondern auch das Wohlbefinden der Tiere fördern. Auch die Rohfasergehalte sollten in Hitzeperioden besonders im Blick behalten werden. Die Faser wird im hinteren Verdauungstrakt durch Mikroorganismen verwertet und im Zuge der Fermentation entstehen nicht nur wertvolle flüchtige Fettsäuren, sondern auch beträchtliche Mengen an Wärme.

Da es trotz angepasstem Gehalt an Rohprotein und Rohfaser in der Ration zu einer verringerten Futteraufnahme unter Hitzestress kommen kann, sollte auch die Nährstoffkonzentration, also die Menge pro Gewichtseinheit, überprüft und angepasst werden. Ziel ist es, den Nährstoffbedarf auch mit weniger Futter abzudecken.

Das Wasser nicht vergessen

Neben der an die höheren Temperaturen angepassten Fütterung spielt die Wasserversorgung der Tiere eine wichtige Rolle. Laktierende Sauen haben im Schnitt einen Bedarf von über 40 l Wasser pro Tag, der auch
schnell auf über 50 l ansteigen kann. Im Sommer wird auch vermehrt Wasser für die Thermoregulation benötigt.

Für eine hohe Futteraufnahme ist nicht nur die ausreichende Wassermenge entscheidend, sondern auch die Wassertemperatur. Versuche haben gezeigt, dass bei der Aufnahme von kühlem Wasser (10 oder
15 °C) gegenüber 22 °C warmem Wasser die Wasseraufnahme (plus 22 Prozent), die Futteraufnahme (plus 40 Prozent) und die Milchleistung der Sauen (plus 20 Prozent) gesteigert werden können.

Zudem sollten die Durchflussraten beziehungsweise der Wasserdruck der Tränken und die Wasserqualität regelmäßig überprüft werden. Die Qualität beeinflusst die Schmackhaftigkeit und damit die Aufnahme
des Wassers maßgeblich. Um den Wasserverbrauch zu kontrollieren, können Wasseruhren pro Stalleinheit oder Abteil installiert werden.

Unsere Lösungen für Sauen und Ferkel:

BEWI-SPRAY® 99 L:

  • Hochenergiekomponente, mit Lecithinzulage
  • garantiert höchste Verdaulichkeit
  • auch auf Rapsbasis verfügbar


BEWI-PIG® 80 L:

  • Kombinationsprodukt, aus hochwertiger Süßmolke, raffinierten Pflanzenfetten und Lecithin
  • mit hohem Anteil an mittelkettigen Fettsäuren