Wie lässt sich die Energieversorgung hochleistender Milchkühe verbessern, ohne die Pansenfunktion zusätzlich zu belasten? Neben der Energiemenge kommt es darauf an, wie gut die Nährstoffe der Ration verdaut und vom Tier genutzt werden können. Pansenstabile Fette und funktionelle Zusätze wie Lecithin und Emulgatoren bieten dafür interessante Ansätze.
Hoher Energiebedarf zu Beginn der Laktation
Die Milchleistung von Kühen ist durch die Zucht deutlich gestiegen. Die Futteraufnahme wächst jedoch nicht im gleichen Maße mit. Vor allem im ersten Laktationsdrittel kann deshalb eine negative Energiebilanz entstehen. Pansenstabile Fette helfen, die Energiedichte der Ration zu erhöhen, ohne die mikrobielle Verdauung im Pansen zusätzlich zu beeinträchtigen. Ihre Verdauung erfolgt erst im Dünndarm.
Fettsäuren und Stoffwechsel
Nicht jedes Fett wirkt im Stoffwechsel gleich. Besonders relevant sind Palmitinsäure (C16:0) und Stearinsäure (C18:0). Palmitinsäure dient vor allem dem Aufbau von Milch- und Körperfett. Stearinsäure kann insbesondere rund um die Kalbung und in der Frühlaktation für die Energiegewinnung im Stoffwechsel von Bedeutung sein. Die geeignete Fettsäurezusammensetzung hängt unter anderem vom Laktationsstadium und Leistungsniveau ab.
Welche Rolle spielt Lecithin?
Lecithin enthält Phospholipide, darunter Phosphatidylcholin, das an wichtigen Prozessen des Leberstoffwechsels beteiligt ist. Durch seine fett- und wasserliebenden Eigenschaften kann Lecithin außerdem als Emulgator wirken. BEWITAL agri setzt Rapslecithin seit Jahren bei der Sprühkühlung hydrierter Pflanzenfette ein. Dabei entstehen fein strukturierte, frei fließende und lagerstabile Fettpulver.
Abbildung 1: Struktur des Lecithinmoleküls.
Praxisversuch: +1,6 kg energiekorrigierte Milch
In einem Praxisversuch mit einer hochleistenden Holstein-Herde wurden pansenstabile Fettpulver ohne und mit 8 % Rapslecithin verglichen. Unter ansonsten gleichen Bedingungen stieg die energiekorrigierte Milchleistung (ECM) von 39,6 auf 41,2 kg je Kuh und Tag. Auch Milchfett- und Milcheiweißgehalt lagen in der Gruppe mit Lecithin höher.
Die Ergebnisse belegen den Nutzen der untersuchten Kombination aus pansenstabilem Fett und Rapslecithin in diesem Praxisversuch.
Tabelle 1: Effekt des Zusatzes von Rapslecithin im pansengeschützten Fett bei Hochleistungskühen.
Emulgatoren können die Fettverdauung unterstützen
Bei sehr hoher Futteraufnahme verkürzt sich die Verweildauer des Futters im Verdauungstrakt. Die Fettverdauung kann dadurch an Grenzen stoßen. Emulgatoren mit einem hohen HLB-Wert können die Fettverdauung unterstützen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen hierzu positive Effekte auf Fettverdaulichkeit und Milchfettproduktion.
Neu zur EuroTier 2026: BEWI®-SPRAY LeciBoost
BEWI®-SPRAY LeciBoost kombiniert pansenstabiles Fett mit natürlichem Rapslecithin und einem Emulgator mit hohem HLB-Wert. Die Produktlinie ist für die energetische Aufwertung von Rationen hochleistender Milchkühe ausgelegt. Varianten auf Basis von hydriertem Palmöl oder hydriertem Rapsöl europäischer Herkunft sind verfügbar.
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Alle Hintergründe, wissenschaftliche Erläuterungen und Abbildungen befinden sich im Fachartikel „Pansenstabiles Fett neu gedacht – Energie, Lecithin und Emulgator im Zusammenspiel“ von Dr. Michael Hovenjürgen.
Veröffentlicht in: FeedMagazine/Kraftfutter 9–10/2026