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Ad libitum, restriktiv oder kontrolliert satt?

Aktuelle Empfehlungen aus den USA (NASEM, 2021) und Deutschland (LfL, 2021) zeigen klar: Kälber mit hohem genetischem Potenzial brauchen mehr Energie und Protein, um ihr Wachstumspotenzial auszuschöpfen. In der Praxis werden dafür unterschiedliche Tränkesysteme eingesetzt.

Ad libitum

Bei der ad-libitum-Tränke steht dem Kalb ständig Milch zur Verfügung. Studien zeigen, dass Kälber dadurch deutlich höhere Milchmengen aufnehmen als bei einer restriktiven Tränke. Das klingt zunächst positiv, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.

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Höherer Keimdruck
Dauerhaft gefüllte Tränkeeimer können den Keimdruck erhöhen und stellen höhere Anforderungen an die Hygiene.

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Schwankende Milchaufnahme
Auf sehr hohe Aufnahmen von bis zu 14 Litern können Folgetage mit nur 4 bis 6 Litern folgen – auch ohne erkennbare Erkrankung.

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Nicht automatisch höhere Zunahmen
Zwischen der 3. und 6. Lebenswoche zeigten ad-libitum getränkte Kälber keine höheren Tageszunahmen als Kälber mit rund 10 L Milch pro Tag.

Restriktiv

Bei der restriktiven Tränke sind Milchmenge und Tränkezeiten klar begrenzt. Das System ist einfach zu kontrollieren, deckt aber bei leistungsstarken Kälbern häufig nicht den tatsächlichen Bedarf an Energie und Protein ab.

Kontrolliert satt: Der Mittelweg mit klaren Vorteilen

Immer mehr Betriebe setzen auf die kontrolliert-satt-Fütterung. Sie kombiniert die Vorteile beider Systeme. Die Kälber erhalten eine physiologisch bedarfsgerechte Milchmenge, orientiert an ihrer freiwilligen Aufnahme, jedoch ohne ganztägig freien Zugang zur Tränke zu gewähren.

Eine aktuelle Studie in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Südwestfalen (Fachbereich Agrarwirtschaft in Soest) hat genau dieses Konzept untersucht. Verglichen wurde eine kontrolliert-satt-Fütterung mit bis zu 11 Litern Milch pro Tag mit einer restriktiven Tränke von maximal 8 Litern.

Das Ergebnis ist eindeutig praxisrelevant:

Höhere Energie- und Proteinaufnahme

Deutlich höhere tägliche Zunahmen.
Rund 10 kg Mehrgewicht am 84. Lebenstag.

Ruhigere Kälber mit besserem Wohlbefinden.

In der praktischen Umsetzung der kontrolliert-satt-Fütterung wurde ein Milchbar-System mit schwergängigen Saugern eingesetzt. Im direkten Vergleich führte der schwergängigere Nuckel in der Haupttränkephase mit 4,2 Minuten je Liter zu einer deutlich geringeren Trinkgeschwindigkeit gegenüber dem konventionellen Nuckel (1,8 Minuten je Liter).

Das Tränkesystem Milchbar in Kombination mit der kontrolliert-satt-Fütterung zeigte Vorteile sowohl in der Entwicklung der Kälber als auch im Tierwohl. Die Kälber waren insgesamt ruhiger und zeigten eine stärkere Speichelbildung.

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